Beispielrede · Brautpaar
Beispiel: Dankesrede des Brautpaars
Situation: Lukas und Amelie sprechen gemeinsam am Ende des Abends — Lukas beginnt, Amelie übernimmt für den mittleren Teil, zum Schluss sprechen sie gemeinsam. Ton: warm und persönlich, ohne Schleifchen — echter Dank statt Pflichtprogramm. Mehr zur Dankesrede erfahren Sie in unserem Ratgeber: Dankesrede bei der Hochzeit.
Liebe Gäste, liebe Familie, liebe Freunde —
Lukas: Wir haben heute Abend sehr viele schöne Worte gehört. Danke dafür. Und jetzt werden wir kurz selbst welche sagen — wir versprechen, es dauert nicht länger als das letzte Salatdressing.
Es gibt Menschen, ohne die dieser Tag nicht das gewesen wäre, was er war. Und das ist keine Floskel — wir meinen das ganz konkret.
Ich fange bei unseren Eltern an. Meine Eltern, Renate und Werner: Ihr habt diesen Tag von Anfang an mitgetragen — nicht nur finanziell, sondern mit echtem Einsatz. Werner, du hast drei Samstage damit verbracht, Bänke abzuschleifen. Renate, du hast jede Meinungsverschiedenheit über Blumendekoration mit einer Ruhe überstanden, die ich mir selbst wünsche. Danke.
Amelie: Meine Eltern, Heidrun und Georg: Ihr habt nie gesagt, was ihr euch vorgestellt habt — ihr habt immer gefragt, was wir uns vorstellen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ihr habt uns diesen Tag geschenkt, ohne ihn euch anzueignen. Ich weiß, was das bedeutet, und ich werde es nicht vergessen.
Dann sind da unsere Trauzeugen. Lukas: Mein Trauzeuge Hendrik hat heute Morgen um halb acht angerufen und gefragt, ob ich Butterbrezen brauche. Ich hatte tatsächlich noch nicht gefrühstückt. Er stand zwanzig Minuten später mit einer Tüte vor der Tür. Das ist — in einem Satz — warum er mein Trauzeuge ist.
Amelie: Meine Trauzeugin Vera hat in den letzten sechs Monaten mehr Stunden in diesen Tag investiert als ich selbst. Sie hat Angebote verglichen, Floristinnen abgesagt und dann wieder angerufen, und einmal um Mitternacht noch schnell eine Tischkarten-Schriftart geändert, weil ich geschrieben hatte „mir gefällt die irgendwie nicht". Vera, das war zu viel. Und genau das Richtige. Danke.
Wir möchten auch denen danken, die im Hintergrund gearbeitet haben — und das meine wir wörtlich: Familie Schreiber, die uns den Garten für die Zeremonie überlassen hat. Cousine Jana, die die Kinderbetreuung übernommen hat und dabei selbst nie zum Essen gekommen ist, bis wir ihr einen Teller gebracht haben. Und Lukas' Bruder Konstantin, der ohne Fragen zu stellen dreimal mit dem Transporter gefahren ist.
Lukas und Amelie gemeinsam: Und dann seid ihr da — alle, die heute Abend hier sitzen. Manche von euch haben lange Anreisen auf sich genommen. Manche haben Urlaub genommen. Manche haben beides getan und dabei noch ein Geschenk mitgebracht, das wir noch gar nicht aufgemacht haben, weil der Abend einfach nicht aufgehört hat — das ist das beste Zeichen.
Ihr habt diesen Tag nicht nur bezeugt. Ihr habt ihn mitgemacht. Ihr habt gelacht, getanzt, zugehört, und einige von euch haben auch geweint — was uns sehr geehrt hat und uns ehrlich gesagt auch ein bisschen erleichtert hat, weil wir nicht alleine geweint haben wollten.
Wir möchten also zum Abschluss das Glas erheben — nicht auf uns. Das haben heute schon viele getan, und wir sind dankbar dafür.
Dieses Glas ist für euch. Für alle, die heute hier sind. Dafür, dass ihr gekommen seid. Dafür, dass ihr geblieben seid. Und dafür, dass ihr morgen früh trotzdem wiederkommt, wenn noch Kuchen übrig ist.
Auf euch. Auf diesen Abend. Und auf alles, was wir gemeinsam noch vor uns haben.
Warum diese Rede funktioniert
- Konkreter Dank statt Namenslisten: Jede Erwähnung ist mit einer kleinen, echten Szene verbunden — das macht den Unterschied zwischen einem Protokoll und einer Rede, die Leute in Erinnerung behalten.
- Der Wechsel zwischen den Sprechenden ist natürlich: Lukas und Amelie übernehmen jeweils die Seite, die ihnen näher liegt — das klingt nach echtem Gespräch und nicht nach abgelesenen Abschnitten.
- Die Reihenfolge folgt einer Logik: Zuerst Eltern (größtes Fundament), dann Trauzeugen (engste Begleitung), dann stille Helfer, dann alle Gäste — das ist eine dramaturgische Kurve, keine Checkliste.
- Der Toast überrascht: Das Brautpaar dankt zum Schluss nicht sich selbst, sondern den Gästen — das ist ein kleiner Twist, der den Abend mit dem richtigen Ton beendet.
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