Beispielrede · Dankesrede in der Ich-Form (Jubilar)

Beispiel: Dankesrede zum eigenen Dienstjubiläum — „Ich hatte das große Glück, gebraucht zu werden"

Situation: Werner Pflüger, Meister in der Instandhaltung eines Lebensmittelproduzenten, feiert sein 30-jähriges Dienstjubiläum und ergreift bei der Feierstunde selbst das Wort, um zu danken. Die Rede ist in der Ich-Form gehalten und richtet sich direkt an die anwesenden Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzten. Der Ton ist bescheiden und persönlich: kein Eigenlob, sondern Dank, ein ehrlicher Rückblick und ein Augenzwinkern. Die Rede funktioniert, weil der Jubilar nicht über sich spricht, sondern über die Menschen, denen er etwas verdankt. Alle Namen sind frei erfunden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Herr Direktor Bauer, liebe Anwesende.

Ich gebe es offen zu: Reden halten gehört nicht zu den Dingen, die ich gelernt habe. Ich repariere Maschinen, das kann ich. Vor Menschen stehen und über mich selbst reden — das fällt mir schwerer als jede Störung an der Abfüllanlage um drei Uhr nachts. Deshalb mache ich es kurz und ehrlich. Ich bin nicht hier, um etwas über mich zu erzählen. Ich bin hier, um Danke zu sagen.

Als ich vor dreißig Jahren angefangen habe, war ich vierundzwanzig und ziemlich überzeugt, dass ich schon alles wusste. Mein erster Chef, der alte Herr Sieber, hat mich am dritten Tag zur Seite genommen und gesagt: „Pflüger, eine Maschine verzeiht dir keinen Hochmut." Ich habe das damals nicht verstanden. Heute weiß ich, dass es der beste Satz war, den mir jemand in diesem Betrieb gesagt hat. Herr Sieber ist lange in Rente, aber ich denke fast jede Woche an ihn, wenn ich vor etwas stehe, das ich noch nicht kenne.

Dreißig Jahre — das sind unzählige Nachtschichten, das sind durchgearbeitete Wochenenden, wenn die Linie stand und die ganze Produktion an einem einzigen Lager hing. Ich will ehrlich sein: Es gab Jahre, in denen ich nahe dran war zu gehen. Was mich gehalten hat, war nie das Gehalt und auch nicht die Maschinen. Es waren die Menschen neben mir. Mein Kollege Ali, mit dem ich seit zwanzig Jahren die Frühschicht teile und der mehr von Hydraulik versteht als jedes Handbuch. Die Frauen aus der Qualitätssicherung, die uns nie hängen lassen. Die jungen Auszubildenden, die mich zwingen, mein Wissen zu erklären, statt es nur zu haben.

Ein besonderer Dank gilt der Geschäftsführung — und ich sage das nicht, weil Herr Bauer hier sitzt. Sie haben mir vor zwölf Jahren die Meisterausbildung ermöglicht, obwohl ich schon Mitte vierzig war und mancher gesagt hat, das lohne sich nicht mehr. Es hat sich gelohnt. Sie haben mir vertraut, als ich an mir selbst gezweifelt habe. Dieses Vertrauen war das größte Geschenk meiner beruflichen Jahre.

Ich bin dankbar, dass ich dreißig Jahre lang einer Arbeit nachgehen durfte, bei der ich abends weiß, wozu ich da war. Nicht jeder hat dieses Glück, gebraucht zu werden. Ich hatte es — und das verdanke ich euch allen in diesem Raum.

Was die nächsten Jahre bringen, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich noch nicht fertig bin und dass mir das Tüfteln noch immer Freude macht. Bis es so weit ist, bleibe ich der, der ans Telefon geht, wenn nachts die Anlage steht. Ich danke euch von Herzen — und lasst uns anstoßen: auf die, die diesen Betrieb jeden Tag am Laufen halten. Auf euch.

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Mehr Beispiele in der Übersicht der Jubiläumsreden · Wie Sie selbst danken, lesen Sie auch auf der Seite Dankesrede zum Jubiläum.