Beispielrede · Geschäftsführung ehrt das Unternehmen

Beispiel: Rede zum 50-jährigen Firmenjubiläum — „Aus einer Garage in der Lindenstraße"

Situation: Geschäftsführer Thomas Wegener spricht beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen der Wegener Metallbau GmbH — gegründet 1976 von seinem Vater, heute 85 Mitarbeitende, Zulieferer für den Maschinenbau. Im Saal: Belegschaft, Kunden, Weggefährten, die Witwe des Gründers. Der Ton ist feierlich und persönlich: keine Bilanzzahlen, sondern die Geschichte von Menschen und Entscheidungen. Die Rede funktioniert, weil sie nicht das Unternehmen feiert, sondern die, die es getragen haben — und weil sie offen über eine Krise spricht, statt eine makellose Erfolgsgeschichte zu behaupten. Alle Namen sind frei erfunden.

Sehr geehrte Gäste, liebe Kundinnen und Kunden, liebe Weggefährten — und vor allem: liebe Kolleginnen und Kollegen.

Vor genau fünfzig Jahren, im Frühjahr 1976, hat mein Vater Heinrich Wegener in einer angemieteten Garage in der Lindenstraße eine gebrauchte Abkantbank aufgestellt, einen Schweißapparat dazugestellt und ein Schild an die Tür geschraubt. Auf dem Schild stand nur sein Name. Kein Logo, kein Slogan, kein Businessplan — den Begriff kannte er, glaube ich, gar nicht. Er konnte Metall biegen, er hielt Termine, und er gab sein Wort. Das war die ganze Strategie. Fünfzig Jahre später stehen wir in dieser Halle, und ich finde: Schlechter ist die Strategie nicht geworden.

Ich möchte heute aber nicht von meinem Vater allein sprechen, denn eine Firma ist nie die Geschichte eines Einzelnen. Die erste, die er einstellte, war Frau Liesel Hoffmann, die das Büro führte, die Löhne ausrechnete und ihm, wenn nötig, auch widersprach. Der erste Geselle war Kurt Adam, dessen Sohn heute, in zweiter Generation, an Maschine drei steht. Wir haben in diesem Haus Familien, die seit drei Generationen für uns arbeiten. Das schreibt man nicht in einen Geschäftsbericht, aber es ist das Wertvollste, was wir besitzen.

Und ich will ehrlich sein, denn fünfzig Jahre waren nicht fünfzig gute Jahre. 2009 stand dieses Unternehmen am Abgrund. Zwei Großkunden waren weggebrochen, die Auftragsbücher leer, die Bank nervös. Wir hätten Leute entlassen müssen — viele. Damals ist die Belegschaft zu mir gekommen, nicht ich zu ihr, und hat angeboten, für ein halbes Jahr auf einen Teil des Lohns zu verzichten, wenn dafür alle bleiben dürfen. Alle. Wir haben es so gemacht. Niemand musste gehen. Wenn mich heute jemand fragt, was die Wegener Metallbau ausmacht, dann erzähle ich von 2009 und nicht von unserem besten Umsatzjahr.

Heute fertigen wir Bauteile, die in Anlagen verbaut werden, die rund um die Welt laufen. Wir haben gelernt, mit Lasern zu schneiden, wo mein Vater noch mit der Flex stand, und wir bilden im Jahr sechs junge Menschen aus, von denen die meisten bleiben. Aber das Schild von damals, das aus der Garage in der Lindenstraße, hängt noch immer — heute im Eingangsbereich, ein bisschen verrostet, mit nichts darauf als einem Namen. Ich lasse es hängen, weil es uns daran erinnert, wo wir herkommen und worauf es ankommt.

An Sie alle, die Sie dieses Unternehmen über fünf Jahrzehnte getragen haben — mit Ihren Händen, mit Ihren Ideen, mit Ihrer Treue in den schwierigen Jahren: Dieses Fest ist Ihres. Ich bitte Sie, mit mir das Glas zu erheben — auf fünfzig Jahre Wegener Metallbau, auf alle, die nicht mehr unter uns sind und doch ein Teil von heute, und auf die Menschen in dieser Halle, ohne die hier nur eine Garage stünde.

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