In 6 Schritten schreiben
Vom leeren Blatt zur fertigen Rede — die komplette Anleitung.
Die ersten Sätze
Der erste Satz ist der schwerste. Er entscheidet, ob die Gäste bei Ihnen ankommen oder ob die Gespräche an den Tischen noch nachklingen. Die gute Nachricht: Es gibt ein paar bewährte Wege hinein, die fast immer tragen. Hier sind fünf — mit Beispielformulierungen, die Sie als Vorlage nehmen und mit Ihren eigenen Worten füllen können.
Der einfachste und nie falsche Einstieg: Sie begrüßen die Runde und benennen den Anlass. Das gibt allen Sicherheit und sammelt die Aufmerksamkeit. Wirkt besonders gut, wenn Sie es nicht steif, sondern warm formulieren.
Beispiel: „Liebe Familie, liebe Freunde — was für ein schöner Tag, und wie schön, dass ihr alle gekommen seid, um mit uns Mias Taufe zu feiern."
Steigen Sie mit einer konkreten kleinen Szene ein. Das holt die Gäste sofort in eine Geschichte und macht die Rede von der ersten Sekunde an persönlich. Wählen Sie einen Moment, der für das Kind oder die Familie typisch ist.
Beispiel: „Vor drei Wochen, morgens um halb fünf, habe ich gelernt, dass Mia eine erstaunlich kräftige Stimme hat. Und ich dachte: Dieses Kind weiß genau, was es will. Genau darüber möchte ich heute sprechen."
Eine Frage öffnet die Köpfe — alle suchen automatisch nach einer Antwort und sind damit bei Ihnen. Achten Sie darauf, dass die Frage zum Anlass passt und Sie sie danach auch beantworten.
Beispiel: „Was wünscht man einem Menschen, der gerade erst angefangen hat zu leben? Ich habe lange darüber nachgedacht — und bin auf drei Dinge gekommen."
Wenn Sie als Pate, Großelternteil oder Gast sprechen, ist ein Dank an die Eltern ein warmer Auftakt. Er würdigt die Menschen, die diesen Tag möglich machen, und leitet sanft zum Kind über.
Beispiel: „Bevor ich etwas über den kleinen Jonas sage, möchte ich mich bei zwei Menschen bedanken — bei Anna und Tom. Ihr habt nicht nur ein wunderbares Kind bekommen, ihr seid auch von Tag eins an füreinander da. Das sieht man."
Der Name des Kindes ist ein dankbarer Einstieg — seine Bedeutung, die Geschichte dahinter oder einfach, wie gut er klingt. Das verbindet sofort mit dem Täufling und gibt der Rede ein Thema.
Beispiel: „Emma — das kommt vom althochdeutschen Wort für ,die Große', und ich finde, größer kann ein Anfang kaum sein als der heutige Tag."
Meiden Sie die ausgeleierten Bilder gleich im ersten Satz — den „kleinen Sonnenschein", den „Engel auf Erden", den „neuen Erdenbürger". Sie wirken nett, sagen aber nichts und nehmen Ihrer Rede die Frische. Auch eine Entschuldigung („Ich bin kein guter Redner …") gehört nicht an den Anfang: Sie lenkt auf Sie statt auf das Kind. Steigen Sie lieber direkt und warm ein — wie Sie die Rede danach aufbauen, zeigt der Ratgeber Aufbau einer Taufrede.
Welcher der fünf Wege der richtige ist, hängt von Ihrer Rolle und von der Familie ab. Sprechen Sie als Pate oder Patin, passt das kleine Bild aus dem Alltag oder der Dank an die Eltern besonders gut — beides zeigt, dass Sie dazugehören. Sind Sie eher zurückhaltend, gibt Ihnen die herzliche Begrüßung sicheren Boden, ohne dass Sie sich auf eine Pointe verlassen müssen. Mögen Sie es lebendig, sind die Frage oder das Wort zum Namen ein guter Aufschlag. Wählen Sie, was zu Ihnen passt — ein Einstieg, der sich für Sie unnatürlich anfühlt, klingt auch unnatürlich.
Der erste Satz trägt die größte Last, weil hier die Aufregung am höchsten ist. Darum lohnt es sich, gerade den Einstieg laut zu sprechen, bis er sitzt — am besten so gut, dass Sie ihn fast auswendig können. Wer die ersten zwei Sätze sicher beginnt, hat die Nervosität meist überwunden und findet danach von allein in den Fluss. Notieren Sie sich den Einstieg ruhig wörtlich auf Ihre Karte, auch wenn Sie den Rest frei halten: An dieser einen Stelle ist eine kleine Sicherheitsleine kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von guter Vorbereitung.
Und wenn der perfekte erste Satz partout nicht kommen will: Beginnen Sie mit der schlichten Begrüßung. Sie ist nie falsch, und oft fällt Ihnen der schönere Einstieg ein, sobald der Druck weg ist und Sie einfach losschreiben.
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