Beispielrede · Vater für sein Kind
Beispiel: Kommunionsrede der Eltern — Das geübte Fürbitten-Blatt
Situation: Thomas spricht beim Mittagessen nach der Erstkommunion zu seiner Tochter Marie, die neun Jahre alt ist. Die Familie hat sich zu Hause im Garten versammelt — Großeltern, die Patentante, Maries kleiner Bruder. Thomas hat sich gegen eine lange Rede entschieden und erzählt stattdessen eine kleine Geschichte von den letzten Wochen. Der Ton ist herzlich und warm: nahbar, konkret, mit Stolz, aber ohne Pathos. Die Rede funktioniert, weil sie Marie direkt anspricht, auf Augenhöhe, und weil der Glaube am Rande mitschwingt, statt zu predigen. Alle Namen sind frei erfunden.
Liebe Marie, liebe Familie, liebe Gäste.
Marie, ich muss dir kurz etwas verraten, das du noch gar nicht weißt. Vor drei Wochen bin ich abends an deinem Zimmer vorbeigegangen, und durch die Tür habe ich dich gehört. Du hast geübt — das Fürbitten-Blatt, immer und immer wieder, ganz leise für dich. Einmal bist du beim Wort „Gemeinschaft" gestolpert, hast geseufzt und noch mal von vorne angefangen. Ich bin eine Weile davorgestanden und habe einfach zugehört. Und heute Morgen, in der Kirche, hast du es vorgelesen — ohne ein einziges Stolpern. Da war ich so stolz, dass ich kaum auf meinem Platz sitzen bleiben konnte.
Aber weißt du, was mich am meisten gefreut hat? Nicht, dass es perfekt war. Sondern dass du dir die Mühe gemacht hast. Das bist nämlich du, Marie: Wenn dir etwas wichtig ist, gibst du nicht nach. Du fragst zehnmal nach, wenn du etwas nicht verstehst, und manchmal treibst du uns damit ein bisschen in den Wahnsinn — aber genau das ist eine deiner schönsten Eigenschaften. Bleib so. Bleib jemand, der wissen will, warum.
Heute hast du zum ersten Mal die Kommunion empfangen. Was das alles bedeutet, wirst du noch viele Jahre lang Stück für Stück verstehen — das geht uns Großen ja nicht anders. Für mich heißt es vor allem eins: Du gehörst dazu. Zu einer großen Gemeinschaft von Menschen, die füreinander da sind. Und ganz nah dran zu einer kleineren — zu uns, deiner Familie, die heute hier sitzt und sich mit dir freut.
Danke an alle, die diesen Tag mit möglich gemacht haben. An Oma und Opa, die schon seit sechs Uhr früh in der Küche standen. An deine Patentante Nicole, die mit dir das Lied so oft geübt hat, bis es saß. Und an dich, Marie — dafür, dass du uns mit deiner Vorfreude die letzten Wochen so schön gemacht hast.
Mein Wunsch für dich ist ganz einfach: Bleib neugierig. Behalte die Menschen, die dich gernhaben, immer in deiner Nähe. Und wenn du mal stolperst — beim Vorlesen oder im Leben —, dann denk daran, dass man einfach noch mal von vorne anfangen darf.
Auf dich, Marie. Auf deinen großen Tag und auf alles, was noch kommt. Lasst uns die Gläser heben.
Was Sie übernehmen können
- Eine beobachtete Szene als Einstieg: Statt mit einer Begrüßungsfloskel beginnt die Rede mit dem Üben am Abend. Suchen Sie einen kleinen Moment aus den letzten Wochen, den Sie wirklich erlebt haben — das wirkt sofort echt.
- Stolz, aber konkret: Nicht „ich bin so stolz auf dich", sondern „dass du dir die Mühe gemacht hast". Benennen Sie, wofür Sie Ihr Kind schätzen — eine Eigenschaft, kein leeres Lob.
- Glaube am Rande, nicht von oben: Was die Kommunion bedeutet, wird in einem Satz angedeutet, nicht erklärt. Das nimmt den Druck und bleibt kindgerecht.
- Ein schlichter Wunsch zum Schluss: „Bleib neugierig" und das Bild vom Neu-Anfangen knüpfen an die Geschichte vom Anfang an — und ein fröhlicher Trinkspruch rundet das Familienfest ab.
Wie Sie eine Elternrede Schritt für Schritt aufbauen, lesen Sie auf der Seite zur Kommunionsrede der Eltern und im Ratgeber Kommunionsrede schreiben.
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