Beispielrede · Oma für ihr Enkelkind
Beispiel: Kommunionsrede der Großeltern — Dasselbe Lied wie damals
Situation: Helga spricht als Großmutter zu ihrer Enkelin Lina, die heute ihre Erstkommunion gefeiert hat. Helga sitzt mit am Tisch, neben ihrem Mann, und sie nimmt sich die Freiheit, einen großen Bogen zu schlagen — von ihrer eigenen Kommunion vor über sechzig Jahren bis zum heutigen Tag. Der Ton ist besinnlich und warm: nachdenklich, mit Tiefgang, aber nie schwermütig. Die Rede funktioniert, weil sie das Kind in eine lange Reihe von Menschen stellt und ihm damit das Gefühl gibt, getragen zu sein. Alle Namen sind frei erfunden.
Meine liebe Lina, liebe Familie.
Heute Morgen, in der Kirche, ist mir etwas Sonderbares passiert. Als ihr das Lied gesungen habt — „Großer Gott, wir loben dich" —, war ich für einen Moment gar nicht in eurer Kirche. Ich war ein kleines Mädchen, neun Jahre alt, in einem viel zu engen weißen Kleid, das meine Mutter selbst genäht hatte. Es war dasselbe Lied, Lina. Vor mehr als sechzig Jahren habe ich es bei meiner eigenen Kommunion gesungen, und heute habe ich es bei deiner gehört. Da musste ich ein bisschen schlucken, das gebe ich zu.
Weißt du, was das für mich heißt? Du stehst heute nicht allein da vorne. Hinter dir steht eine lange Reihe von Menschen. Deine Mama hat hier gestanden, dein Opa und ich, und vor uns meine Mutter, deine Urgroßmutter, die du leider nicht mehr kennenlernen konntest. Wir alle haben dasselbe Lied gesungen, vielleicht genauso aufgeregt wie du. Und nun bist du an der Reihe. Du trägst etwas weiter, das schon sehr, sehr lange weitergegeben wird.
Ich bin in meinem Leben oft umgezogen, habe vieles verloren und manches zurücklassen müssen. Aber dieses Lied, diesen Glauben, das stille Wissen, dass über mir jemand wacht — das hat mich durch alles getragen, durch gute Zeiten und durch schwere. Ich wünsche dir, meine Lina, dass es dir genauso geht. Dass du, wann immer du dich verloren fühlst, eine Melodie kennst, die dich nach Hause bringt.
Und ich wünsche dir Menschen um dich herum, so wie du sie heute hier hast. Eine Familie ist das Beste, was einem das Leben mitgeben kann — glaub deiner alten Oma, ich weiß das.
Du bist ein wunderbares Mädchen, Lina, und Opa und ich sind unbeschreiblich stolz auf dich. Komm uns oft besuchen, dann backen wir wieder zusammen den Kuchen, bei dem du immer heimlich vom Teig naschst — als ob ich das nicht sehen würde.
Gott segne dich, mein Kind, auf deinem ganzen Weg. Lasst uns auf unsere Lina anstoßen.
Was Sie übernehmen können
- Der Blick über die Generationen: Das gemeinsame Lied verbindet die eigene Kommunion mit der des Enkelkinds und stellt es in eine lange Reihe. Als Großeltern haben Sie diesen weiten Bogen — nutzen Sie ihn, das kann sonst niemand.
- Ein verbindendes Detail statt Pathos: Nicht „der Glaube ist wichtig", sondern ein konkretes Lied, das über Jahrzehnte dasselbe geblieben ist. So wird der Glaubensbezug persönlich und besinnlich, nie predigend.
- Lebenserfahrung weitergeben, leise: „Das hat mich durch alles getragen" klingt aus dem Mund der Großmutter glaubwürdig. Teilen Sie eine echte Lebenserkenntnis — kurz, ohne Belehrung.
- Warm und konkret enden: Das gemeinsame Kuchenbacken holt die Rede aus dem Großen zurück ins Vertraute. Ein liebevolles Ritual macht den Schluss nahbar, bevor der Segenswunsch und der Trinkspruch kommen.
Worauf es bei der Großelternrede ankommt, lesen Sie auf der Seite zur Kommunionsrede der Großeltern und im Ratgeber Kommunionsrede schreiben.
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