Beispielrede · Pate für sein Patenkind

Beispiel: Kommunionsrede des Paten — Was ein Pate eigentlich ist

Situation: Andreas ist der Patenonkel von Felix, der heute seine Erstkommunion gefeiert hat. Andreas und Felix sehen sich oft — sie gehen zusammen angeln und bauen im Keller an einer Seifenkiste. Andreas spricht beim Kaffee am Nachmittag und nutzt die Gelegenheit, Felix zu erklären, was sein Patenamt überhaupt bedeutet. Der Ton ist feierlich und persönlich: würdig zum Anlass, aber kindgerecht und nahbar. Die Rede funktioniert, weil sie das abstrakte Patenamt in ein konkretes Versprechen übersetzt, das ein Neunjähriger versteht. Alle Namen sind frei erfunden.

Lieber Felix, liebe Familie.

Felix, vor ein paar Tagen hast du mich etwas gefragt, das mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist. Wir saßen am Fluss, die Angeln im Wasser, und du hast gesagt: „Andreas, was macht ein Pate eigentlich genau?" Und ich habe irgendwas geantwortet — ich glaube, in dem Moment hat ein Fisch angebissen, und wir waren beide abgelenkt. Heute will ich dir richtig antworten.

Als deine Eltern mich vor neun Jahren gefragt haben, ob ich dein Pate sein möchte, habe ich sofort Ja gesagt. Damals warst du so klein, dass du in meine Hände gepasst hast — kaum zu glauben, wenn ich dich heute hier sitzen sehe, so groß und festlich angezogen. Pate sein heißt nicht, dass ich an deinem Geburtstag das größte Geschenk bringen muss. Es heißt etwas anderes, und das ist mir viel wichtiger: Ich habe versprochen, immer für dich da zu sein. Nicht nur, wenn die Sonne scheint und wir angeln gehen. Sondern auch dann, wenn mal etwas schwierig ist und du jemanden zum Reden brauchst, der nicht deine Mama oder dein Papa ist.

Heute hast du zum ersten Mal die Kommunion empfangen, und damit gehörst du noch ein Stück mehr zu einer großen Gemeinschaft dazu. Ich finde das schön. Denn das ist genau das, was ich dir auch von Mann zu Mann mitgeben will: Du bist nie allein. Da sind deine Eltern, deine kleine Schwester, deine Großeltern — und da bin ich. Dein Pate. Wenn du mich brauchst, weißt du, wo du mich findest. Meistens im Keller, an der Seifenkiste.

Ich wünsche dir, Felix, dass du dir deine Neugier bewahrst und immer den Mut hast, Fragen zu stellen — so wie am Fluss. Die guten Fragen sind die, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Und ich verspreche dir: Wenn ich die Antwort nicht weiß, dann suchen wir sie eben zusammen.

Auf dich, mein Patenkind. Auf diesen festlichen Tag — und darauf, dass unsere Seifenkiste bis zum Sommer endlich rollt. Lasst uns auf Felix anstoßen.

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